Sumpf-Calla (Calla palustris)

Allgemeines
Die Sumpf-Calla wird auch Schlangenwurz, Schlangenkraut, Sumpf-Schlangenwurz oder Schweinsohr genannt. Angeblich half die Pflanze bei Schlangenbissen. Ihr Rückgang begann mit der Urbarmachung der Sümpfe zu landwirtschaftlichen Zwecken. Die Pflanze ist auffällig, von besonderer Schönheit und leicht zu bestimmen.

Äußere Merkmale:
Zunächst fallen die großen, fleischigen, fast herzförmigen Blätter auf, die oft am Rand von Gewässern einen schwimmenden Teppich ausbilden können. Aber auch in Sümpfen, feuchten Wiesen und Mooren kann man die Pflanze finden. Wer zum ersten Mal den Blütenstand sieht, könnte meinen, es handele sich um ein tropisches Gewächs: Eine grünliche stumpfe Ähre ragt senkrecht zwischen den Blättern empor und wird von einem einzelnen, weißen, fast 10 cm langen Hüllblatt umfasst. Sie blüht von Mai bis August.

Verwechslungsmöglichkeiten:
Verwechseln kann man die Sumpf-Calla höchstens mit dem Aronstab, der aber in Laubwäldern wächst, Sümpfe und Nässe meidet und dessen Blätter meist dunkle Flecken tragen. Wie der Aronstab bildet die Sumpf-Calla leuchtend rote, giftige Beeren.

Verbreitung, Lebensweise und Gefährdung:
Die Sumpf-Calla ist eine Pflanze unserer Sümpfe, Moore, Gräben, Bracks und langsam strömender Fließgewässer. Ihre natürlichen Vorkommen in Hamburg sind weitgehend auf die Elbmarsch beschränkt. Insbesondere in kleineren Gräben und Wettern wird diese leicht übersehen. Sie wird für Gartenteiche angeboten und gelangt aus diesen leicht in die Gewässer der Umgebung, besonders wenn überschüssige Pflanzen aus dem Garten dort entsorgt werden. Das natürliche Verbreitungsgebiet umfasst die gemäßigten und subarktischen Gebiete der gesamten Nordhalbkugel. In Mitteleuropa gilt sie als selten.

Eine Anpassung an das Leben in Sumpfgebieten ist vermutlich, da die Bestäubung überwiegend durch Schnecken erfolgt. Auch die Verbreitung der Samen geschieht mit dem Wasser. Seit die Deiche immer näher an die Flüsse herangerückt sind, funktioniert dies vielerorts nicht mehr.

Eine zu intensive Gewässerpflege verträgt die Sumpf-Calla nicht und ist deshalb mancherorts verschwunden. Um für den Schutz ihrer Lebensräume zu werben, wurde sie bereits 1988 zur Blume des Jahres ausgerufen. In den letzten Jahren haben ihre Bestände wieder leicht zugenommen. In Hamburg gilt sie als potenziell gefährdet.

Besonderheiten:
Die Pflanze gilt wie der Aronstab als giftig. Die Blätter sitzen an den schwimmenden, mehrjährigen Rhizomen. Wenn sie im Herbst die Blätter verlieren, können sie an eine Schlange erinnern. In der einst verbreiteten „Signaturenlehre“ ging man davon aus, dass die Form und Beschaffenheit einer Pflanze ein Hinweis auf ihre potenzielle Heilwirkung war.

Im Schutz von Sumpfpflanzen wie der Sumpf-Calla finden Jungfische, Libellenlarven und Kaulquappen Nahrung und Versteckmöglichkeiten.

Warum sind Beobachtungsdaten wichtig?
Die letzte flächenhafte Untersuchung der Hamburger Pflanzenwelt liegt fast 10 Jahre zurück. Es ist wichtig zu wissen, wie sich unsere Pflanzenwelt verändert. Am Vorkommen einer Pflanzenart hängen oft mehrere Tierarten. Nachdem die Sumpf-Calla in Hamburg sehr selten geworden war hat sie sich schon vor einigen Jahrzehnten in der Elbmarsch wieder ausgebreitet.

Neu sind die Vorkommen außerhalb des Elbtals, die vor allem auf Aussetzungen zurückzuführen sind. Wir wollen wissen, wie stabil diese Vorkommen sind und ob die Ausbreitung weitergeht. Der verbreitete Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erreicht leider mitunter auch unsere Gewässer und ihre Ufer. Wenn wir mehr über die Verbreitung erfahren, kann dies die Grundlage für sinnvolle Schutzmaßnahmen sein.