Kleiner Fuchs (Aglais urticae)

Allgemeines:
Der Kleine Fuchs ist ein weit verbreiteter und vergleichsweise häufiger einheimischer Tagfalter. Man findet die Tiere in unterschiedlichsten Offenland-Biotopen – häufig lässt sich der Kleine Fuchs auch in Gärten und Parkanlagen in Städten beobachten. Allerdings sind gerade auch bei den vergleichsweise häufigen Tagfalterarten, die über viele Jahrzehnte als sehr häufig galten, in jüngster Vergangenheit teilweise massive Bestandsrückgänge zu beobachten. Der Kleine Fuchs steht somit symbolhaft für die bedrohte Vielfalt der einheimischen Tagfalter.

Äußere Merkmale:

Erwachsene Falter
Der Kleine Fuchs zeichnet sich durch eine auffällige, orangene bis rotbraune Grundfärbung der Oberseite seiner Vorderflügel aus. Diese weisen zudem am Vorderrand ein schwarzes, gelbes und weißes Fleckenmuster auf. Insbesondere der weiße Fleck ist hierbei arttypisch. Weiterhin finden sich auf den Vorderflügeln jeweils zwei kleine und ein großer schwarzer Fleck. Der dunkle Flügelaußenrand weißt sowohl in den Vorder- als auch Hinterflügeln ein blauen Fleckensaum auf. Die Hinterflügel besitzen einen großen schwarzen Fleck, zudem ist die innere Hälfte der Hinterflügels markant verdunkelt. Die Unterseite beider Flügelpaare ist größtenteils dunkel gefärbt und somit als Schutztracht ausgebildet. Die Falter erreichen eine Flügelspannweite von 40 bis 50 Millimetern.

Raupen
Die Raupen des Kleinen Fuchs sind in ihrer Grundfarbe grünlichschwarz gefärbt und zeigen zusätzlich auffällige gelbe Längsstreifen. Besonders tritt ein über der Rückenmitte verlaufender gelber Doppelstreifen hervor. Die Raupen besitzen außerdem kurze, seitlich verzweigte Stachelspitzen. Stacheln finden sich zusätzlich auf der Kopfkapsel. Die Raupen werden bis zu 3,5 cm lang und finden sich oft in sogenannten „Nestern“ auf Brennesselbeständen gesellig zusammen.

Verwechslungsmöglichkeiten:
Der Kleine Fuchs kann in der einheimischen Fauna lediglich mit dem Großen Fuchs verwechselt werden. Diese Art unterscheidet sich jedoch durch die rötlich-braune Färbung der inneren Hälfte des Hinterflügels deutlich vom Kleinen Fuchs – hier ist dieser Bereich dunkel gefärbt. Der Kleine Fuchs weist am vorderen Rand des Vorderflügels einen deutlich ausgeprägten weißen Fleck auf, der dem Großen Fuchs fehlt. Zudem ist der Große Fuchs mit Flügelspannweiten von 50-55 Millimetern deutlich größer als der Kleine Fuchs. Bei geschlossenen Flügeln hebt sich der hellere Außenteil scharf vom schwarzen Innenteil der Flügelunterseite ab. Hierin unterscheidet sich die Unterseite des Kleinen Fuchs von der des Tagpfauenauges oder des Trauermantels.

Lebensweise:
Die Lebensraumansprüche des Kleinen Fuchs gelten als vergleichsweise anspruchslos – man findet die Falter in unterschiedlichen Offenland-Biotopen von März bis Oktober, in denen auch die Raupenfutterpflanze (Große Brennnessel) zu finden ist. Auch entlang von

Waldsäumen und Waldlichtungen sind erwachsene Tiere häufig anzutreffen. Aufgrund ihrer geringen Lebensraumansprüche ist die Art auch im städtischen Bereich weit verbreitet und in Grün- und Parkanlagen häufig anzutreffen. Die erwachsenen Tiere besuchen hierbei eine Vielzahl unterschiedlicher Blütenpflanzen als Nektarquelle. Das Nahrungsspektrum der Raupen ist hingegen stärker eingegrenzt. In der Regel findet man sie auf Großer Brennnessel, seltener auf Hopfen. Die Tiere bevorzugen hierbei Brennnesselbestände lufttrockener Standorte und treten oftmals in den ersten Larvenstadien gesellig unter Seidengespinst auf. Der Kleine Fuchs ist einer der ersten Falter, die man im Frühjahr beobachten kann. Erwachsene Tiere überwintern an geschützten Stellen, oft in Gebäuden oder in Holzstapeln. Diese Verstecke werden an den ersten warmen Tagen der Saison verlassen.

Beobachtungsmöglichkeiten:
Die Falter können im Sommer an einer Vielzahl von Blütenpflanzen bei der Nektarsuche beobachtet werden, so z.B. an Schmetterlingsflieder, an Fetthenne oder der Glattblatt-Aster. Mitunter sind die Falter auch an Fallobst zu finden. Die Raupen können auf Großen Brennnesseln beobachtet werden – allerdings bevorzugt der Kleine Fuchs sonnige, lufttrockene Bestände.

Besonderheiten:
Der Kleine Fuchs gilt als eine häufige und weit verbreitete Tagfalterart, sein Auftreten unterliegt jedoch jahrweise extremen Häufigkeitsschwankungen. Mitunter zeigt der Kleine Fuchs jahrweise auch ausgedehnte Wanderungen – vor allem im Frühjahr nordwärts.

Warum sind Beobachtungsdaten wichtig?
Tagfalter sind ein charakteristischer und unverzichtbarer Bestandteil unserer mitteleuropäischen Lebensräume. Im März und April gehören Tagpfauenauge, Zitronenfalter oder Kleiner Fuchs zu den ersten Frühlingsboten. Und auch im Hochsommer bereichern die farbenprächtigen Insekten die Blütenpracht der heimischen Landschaft und der Gärten. Allerdings sind mittlerweile viele Arten deutlich seltener als früher. Die Ursachen für den teilweise gravierenden Rückgang sind vielfältig und reichen von Lebensraumrückgang durch Intensivierung der Landnutzung bis hin zu übermäßiger Düngung nährstoffarmer Standorte. Zahlreiche Arten wurden in den letzten Jahrzehnten aufgrund ihrer Seltenheit unter Schutz gestellt. Doch auch weit verbreitete Arten wie der Kleine Fuchs scheinen seltener zu werden.

Um langfristige Bestandveränderungen und jährliche Bestandsschwankungen analysieren zu können, benötigt die Wissenschaft dringend umfassende Informationen zum Vorkommen dieser Art. Die hier durchgeführten Beobachtungen helfen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, das Verbreitungsmuster und die Häufigkeit des Auftretens des Kleinen Fuchs detaillierter darstellen zu können und Gefährdungsursachen abzuschätzen.