Chinesische Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis)

Allgemeines
Die Chinesische Wollhandkrabbe gilt in Deutschland als eine gebietsfremde Tierart. Wie der deutsche Name unschwer erkennen lässt, stammt diese auffällige Krebstierart ursprünglich aus dem ostasiatischen Raum. Die Scheren sind zudem mit einem dichten Haarpelz besetzt – nach diesem auffälligen Merkmal leitet sich die Bezeichnung Wollhandkrabbe ab. Die Chinesische Wollhandkrabbe ist aktuell in der Unterelbe und ihren Zuflüssen häufig anzutreffen.

Äußere Merkmale:
Die Chinesische Wollhandkrabbe zeichnet sich durch einen gedrungenen, am Rand fein gesägten Rumpf aus, der in etwa so lang wie breit ist. Der Rumpf trägt am Vorderrand vier scharfe Dornen. Die Chinesische Wollhandkrabbe erreicht eine Länge von etwa 7,5 cm – berücksichtigt man ihre 4 Laufbeinpaare, so kann sie eine Breite von bis zu 30 cm erreichen. Die Tiere sind in der Regel olivgrün bis braun gefärbt. Oftmals treten dunkle Flecken auf. Mitunter finden sich auch bläuliche, violette und rötliche Farbvarianten. Charakteristisch für die Art ist das Auftreten eines dichten Haarpelzes an den Scheren. Dieser ist bei den Männchen stärker ausgeprägt als bei den Weibchen. Bei Jungtieren ist er oftmals nur schwach ausgeprägt.

Verwechslungsmöglichkeiten:
Durch den charakteristischen Haarpelz auf den Scheren mit keiner anderen einheimischen Krabbenart im Binnengewässerbereich zu verwechseln.

Lebensweise:
Die Chinesische Wollhandkrabbe ist ein ausgesprochener Wanderer. Die Tiere verbringen einen Großteil ihres Lebens im Süßwasser von Flüssen und Bächen. Sie besitzen zudem die Fähigkeit, über kurzzeitige Landgänge auch Stillgewässer zu besiedeln. Für eine erfolgreiche Fortpflanzung müssen sie sich jedoch ins Salzwasser begeben. So wandern die jungen Wollhandkrabben flussaufwärts und dringen dabei weit in Flusssysteme ein – in der Elbe kommen sie beispielsweise bis Dresden vor. Die geschlechtsreifen Tiere wandern zur Fortpflanzung wieder ins Meer. Wollhandkrabben bauen Röhrengänge im Uferbereich oder leben in Steinschüttungen. Sie ernähren sich von anderen bodenbewohnenden Tieren wie Schnecken, Muscheln und Insektenlarven.

Beobachtungsmöglichkeiten:
Wollhandkrabben leben eigentlich unter Wasser. Aus diesem Grund bekommt man sie in der Regel nicht ohne Weiteres zu Gesicht. Es gibt allerdings einige Möglichkeiten, diese Wassertiere beobachten zu können. Die Tiere verbergen sich häufig in Steinschüttungen unter großen flachen Steinen – hier können sie insbesondere bei ablaufenden Wasser im tidebeinflussten Bereich der Unterelbe durch das Wenden von Steinen leicht aufgefunden werden. Zum anderen müssen sich heranwachsende Krabben regemäßig häuten – der alte Panzer wird abgestreift, da er nicht mitwachsen kann und durch einen neuen ersetzt. Der alte Panzer bleibt dann als leere Hülle zurück und lässt sich häufig im Ufersaum der Elbe finden.

Zum anderen lassen sich die wandernden Wollhandkrabben an einigen Tagen oder Wochen im Frühsommer massenhaft am Elbewehr bei Geesthacht – hier auch an Land – in großer Zahl beobachten. Die Staustufe Geesthacht trennt hierbei die tidebeeinflusste Unterelbe von der mittleren Elbe. Für die Krabben stellt die Staumauer ein unüberwindbares Hindernis dar. Allerdings wurden zu beiden Seiten des Wehres Fischaufstiegshilfen errichtet – hier werden jedoch sehr hohe Strömungsgeschwindigkeiten erreicht, gegen die die Wollhandkrabben nur schwer ankommen. Unter diesen Umständen machen die Tiere von ihrer Fähigkeit gebrauch, kurzzeitig über Land gehen zu können und umgehen so das Bauwerk im ufernahen Bereich der Fischaufstiege, während des Maximums der Wanderung mitunter zu Tausenden. In der Regel findet diese Massenwanderung zwischen Mai und Juli statt – der genaue Zeitpunkt ist witterungsabhängig.

Besonderheiten:
Die Chinesische Wollhandkrabbe ist keine einheimische Art – ursprünglich kam sie nur im temperaten Asien vor. Im Zuge des internationalen Warenaustauschs wurde die Art dann vermutlich über Ballastwasser der Handelsschiffe aus China auch nach Europa eingeführt. Norddeutschland erreichte diese gebietsfremde Art zu Beginn des 20. Jahrhunderts – zunächst trat die Wollhandkrabbe in der Weser auf. Später, ab 1914 wurde auch das Elbesystem besiedelt. Die Elbe gehört heute zu den Flussläufen mit den größten Bestandsdichten der Wollhandkrabbe in Europa.

Warum sind Beobachtungsdaten wichtig?
Im Zuge einer zunehmenden Globalisierung befindet sich auch die Artenvielfalt auf der Erde im Wandel. Pflanzen und Tiere werden oftmals mit Hilfe des Menschen in Regionen gebracht, die vorher für sie unzugänglich waren. Insbesondere das Ballastwasser von Handelsschiffen steht im Verdacht, blinde Passagiere wie die Wollhandkrabbe über große Strecken zu transportieren. Diese gebietsfremden Tierarten (Neozoen) zeichnen sich in der Regel durch hohe Anpassungs- und Fortpflanzungsfähigkeit aus und können sich in einigen Lebensräumen durchsetzen.

In den meisten Fällen ist der Einfluss der Zuwanderer auf Ökosysteme schwer abschätzbar – dies liegt oftmals an einer sehr lückenhaften Datengrundlage. Detaillierte, räumlich und zeitlich gleichmäßig verteilte Beobachtungsdaten sind jedoch notwendig, um Bestandsentwicklungen gebietsfremder Arten und damit verbundene Auswirkungen auf die Bestände einheimischer Tier- und Pflanzenarten abschätzen zu können.

Für die Metropolregion Hamburg liegen nur vergleichsweise wenige gut dokumentierte Beobachtungsdaten zum Auftreten der Chinesischen Wollhandkrabbe vor – helfen Sie mit, tiefergehende Einblicke zum Vorkommen dieser Tierart zu gewinnen und begeben Sie sich auf Suche nach der Chinesischen Wollhandkrabbe.